Berufsrahmenqualifikation für Biologisch- technische Assistenten (BTA)

Arbeitstechniken und Arbeitsvorgänge in der BTA-Ausbildung -

Leitziel der Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin und zum biologisch technischen Assistenten ist die Entwicklung zu verantwortungsbewußter Bearbeitung biologischer Themen.

Biologisch-technische Assistentinnen und Assistenten lernen selbständig technische und organisatorische Aufgaben zu lösen. Dies geschieht in der Regel im Team in einem vorgegebenen und kontrollierten Funktions- und Aufgabenbereich. Konfliktlösungsbereitschaft und soziales Verhalten sind innerhalb einer solchen Arbeitsgruppe Voraussetzung.

Biologisch-technische Assistentinnen und Assistenten entwickeln in der Ausbildung die Fähigkeit, Veränderungen im fachlichen und rechtlich-organisatorischen Bereich zu berücksichtigen. Das erfordert Lernfähigkeit, Flexibilität und Entscheidungsfähigkeit, die über die Ausbildung hinaus wirken. Das Gelernte wird laufend im Hinblick auf neue Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse aktualisiert.

Belange des Umweltschutzes und der Arbeitssicherheit, die Laborordnung und der wirtschaftliche Einsatz der Arbeitsmittel werden beachtet. Gesetzliche Grundlagen wie Tierschutzgesetz, Gentechnikgesetz u.a. sind einzuhalten.

Biologisch-technische Assistentinnen und Assistenten verfügen nach der Ausbildung über eine fachliche Kommunikationsstruktur, um biologische Mechanismen und Konzepte zu diskutieren.

Ihr Tätigkeitsprofil umfaßt insbesondere biologische und chemisch-technische Verfahren.

Die folgende Auflistung beschreibt die Arbeitstechniken und Arbeitsvorgänge der BTA-Ausbildung*). Je nach Ausbildungsschwerpunkt (z.B. Biochemie, Biotechnologie, Molekularbiologie) kann an den verschiedenen Schulen eine unterschiedliche Ausbildungstiefe in den entspechenden Bereichen erreicht werden.

*) [O] = Optional; Arbeitsvorgang/-technik zur wahlweisen bzw. weiterführenden Vertiefung des Lernziels

1 Herstellen und Kontrollieren von Lösungen

1.1 Beschaffen von [O] und umgehen mit Chemikalien
1.2 Herstellen und kontrollieren von Maßlösungen
1.3 Herstellen und kontrollieren von Pufferlösungen

2 Techniken des sterilen Arbeitens

2.1 Grundsätze des sterilen Arbeitens
2.2 Sterilisieren im Autoklaven, mit Heißluft, durch Filtration und Bestrahlung
2.3 Chemische Desinfektion
2.4 Herstellen von Kulturmedien
2.5 Impftechniken

3 Isolieren von Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze) und deren Kultivierung, Keimzahlbestimmung und Identifizierung

3.1 Isolieren und Kultivieren von Mikroorganismen und Einstellung verschiedener Wachstumsbedingungen (z.B.Substrat, Temperatur, pH, O²-Bedingungen)
3.2 Keimzahlbestimmung durch verschiedene direkte und indirekte Verfahren z.B. Plattengußverfahren, Titerbestimmung, MPN-Verfahren, Membranfilter-Methode, Zählkammer-Verfahren, Trübungsmessungen)
3.3 Keime identifizieren durch makroskopische und mikroskopische Beurteilung einschließlich verschiedener Färbetechniken
- biochemische Tests (z.B. Bunte Reihe)
- Erstellen eines Antibiogramms
- serologische Tests (O-/H-Antigenbestimmung) [O]
3.4 Zellaufschluß
3.5 Produktisolierung und Reinigungsverfahren [O]

4 Umgang mit pflanzlichen und tierischen [O] Zell- bzw. Gewebekulturen

4.1 Anlegen und Kultivieren
4.2 Optimieren der Kulturbedingungen
4.3 Untersuchungsmethoden (z.B. Zellzahlbestimmungen, Vitalitätstests)
4.4 Regenerieren von Pflanzen aus Kallus
4.5 Herstellen von Protoplasten
4.6 Zellfusionierung [O]

5 Umgang mit Fermentern

5.1 Aufbauen und Einrichten von Fermentern
5.2 Überwachen und Regeln der Fermentation

6 Umgang mit Pflanzen und Tieren

6.1 Artgerechte Haltung, Handhabung und Vermehrung verschiedener Labortiere (z.B. Arthropoden, Fische, Kleinsäuger)
6.2 Anzüchten und Kultivieren von Versuchspflanzen

7 Präparieren von Tieren

7.1 Präparieren von Wirbellosen (z.B. Anneliden, Arthropoden)
7.2 Präparieren von Wirbeltieren (z.B. Fische, Säuger)

8 Durchführen histologischer Techniken

8.1 Herstellen von Hand- und Mikrotomschnitten (Schlitten- oder Rotationsmikrotom, Gefriermikrotom [O], Ultramikrotom [O])
8.2 Fixieren und Konservieren von Geweben in reinen Fixierungslösungen und Fixierungsgemischen
8.3 Einbetten (z.B. Paraffin, Kunststoffe [O])
8.4 Durchführen von Färbungen, histochemischen Nachweisen und immunhistologischen Methoden

9 Umgang mit Mikroskopen

9.1 Hellfeld-, Dunkelfeld- und Phasenkontrastmikroskopie
9.2 Fluoreszenzmikroskopie
9.3 Umkehrmikroskopie
9.4 Differenzialinterferenzkontrast (DIK)- Mikroskopie [O]
9.5 Elektronenmikroskopie und Rasterelektronenmikroskopie [O]

10 Durchführen qualitativer und quantitativer physiologischer Versuche

10.1 Untersuchungen von isolierten, funktionstüchtigen Geweben und Organen [O]
10.2 Messen von nerven- und muskelphysiologische Parameter
10.3 Stoffwechselphysiologische Untersuchungen (z.B. Photosynthese und Atmung)

11 Probenahme und -aufbereiten

11.1 in der biochemischen Analytik (z.B. Lebensmittel, Zellhomogenate, Körperflüssigkeiten)
11.2 in der Umweltanalytik

12 Durchführen qualitativer und quantitativer naßchemischer Analysen

12.1 Einzelnachweise für ausgewählte Ionen
12.2 Volumetrie
12.3 Umgang mit Schnelltests

13 Durchführen spektrometrischer Bestimmungen

13.1 Spektrometrie in Absorption und Emission, Fluorimetrie, IR [O], AAS [O])
13.2 Enzymkinetische Messungen und enzymatische Analysen

14 Durchführen elektronanalytischer Verfahren

14.1 Potentiometrie ( pH, Ionenselektive Elektroden [O], Biosensoren [O])
14.2 Leitfähigkeitsmessungen
14.3 Polarographische Messungen [O]

15 Durchführen analytischer Trennverfahren

15.1 Extraktion
15.2 Zentrifugation
15.3 Chromatographie (DC, SC, LC, GC, HPLC)
15.4 Elektrophorese (z.B.CAF, Dünnschicht, Gel, Diskontinuierliche, IEF)
15.5 Gelfiltration
15.6 Ionenaustausch
15.7 Ultrafiltration und Dialyse
15.8 Immunologische Nachweismethoden (z.B. ELISA)

16 Durchführen molekularbiologischer Arbeiten

16.1 Isolierung von Nukleinsäuren
16.2 Verdauung mit Restriktionsenzymen
16.3 Auftrennung und Blotting
16.4 Nachweisverfahren, z.B. mit Sonden
16.5 PCR
16.6 Transformation

17 Ermitteln und Bewerten biologischer, chemischer und physikalischer Faktoren eines Ökosystems

17.1 Bestimmungsübungen
17.2 Aufnahme von physikalisch-physiographischen Parametern eines Ökosystems (Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Physiographie)
17.3 Auswertung biologischer, chemischer und physikalisch-physiographischer Parameter eines Ökosystems (z.B. Indikatorsysteme, Artenfehlbetrag, Ähnlichkeitsindex, chemische und physikalische Grenzwerte)

18 Dokumentationstechniken

18.1 Aufstellen von Versuchsprotokollen
18.2 Mikro- und Makrofotografie; Videotechnik
18.3 Anwenden von Standardsoftware (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbanken, Betriebssystem, Statistik)
18.4 Meßwerterfassung und -verarbeitung mit dem PC

19 Umgang mit elektronischen Kommunikations- und Informationssystemen

19.1 e-mail und Internet
19.2 Nutzen von elektronischen Speichermedien

20 Beachten von Normen und gesetzlichen Regelungen

20.1 Tierschutzgesetz
20.2 Gentechnikgesetz
20.3 Gentechniksicherheitsverordnung
20.4 Gefahrstoffverordnung
20.5 Arbeiten nach GLP und GMP
20.6 Dokumentation nach ISO-DIN-Normen
20.7 Unfallschutzvorschriften

Die praktischen Lerninhalte sollen 50% der Ausbildungsstunden nicht unterschreiten und werden von den entsprechenden fachtheoretischen Unterrichtseinheiten begleitet.

Diese Ausbildungsprogramm wurde vom Arbeitskreis Biologisch-technische Ausbildung des Verbandes Deutscher Biologen (VDBiol) und dem Verband biologisch-technischer Assistenten (VBTA) erarbeitet und auf der 14. Fachdidaktiktagung am 13.11.1998 in Straßburg einvernehmlich verabschiedet.

Gez. Dr. Lotter, Vorsitzender AK-BTA
Gez. Thomas Wittling, 1. Vorsitzender VBTA