Nachrichten aus dem VBTA

Es gibt viel zu tun! Neue Spitze beim VBTA

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Auf einer außerordentlichen Sitzung wählten die Mitglieder des VBTA (Verband Biologisch-technischer Assistenten) einstimmig ihren neuen Vorstand: Dr. Nicole Lindemann und Gerlinde Kruse. Der bisherige VBTA-Vorsitzende Thomas Wittling und seine Stellvertreterin Barbara Woll übergaben den beiden die entscheidenden Dokumente und Unterlagen. „Über 25 Jahre ist lang genug, da wird es auch mal Zeit für einen Wechsel“, so Thomas Wittling. „Aber auf unsere Unterstützung kann der neue Vorstand bauen, denn auf den Verband kommen große Aufgaben zu.“ Dafür wie auch für die über Jahre geleistete Arbeit insbesondere für die damit verbundenen guten Vorarbeiten sind die beiden neuen Vorsitzenden, Nicole Lindemann und Gerlinde Kruse, Barbara Woll und Thomas Wittling dankbar.

Seit Verbandsgründung 1985 vertritt der Verband öffentlich die Interessen der BTA und ist vor allem für Berufsstarter eine zentrale Anlaufstelle. Auch für BTA, die für den Wiedereinstieg nach einer längeren Berufspause ihr Wissen durch spezielle Fort- und Weiterbildungen auf den neusten technischen Stand bringen wollen, ist der Verband Ansprechpartner. Unter anderem bietet der VBTA seinen Mitgliedern - meist in Kooperation wie mit dem DGL (Deutsche Gesellschaft für Limnologie e.V.) – praxisbezogene Fachseminare an. „Fortbildung ist wichtig - für die Qualität der Arbeit aber auch für die Freude an der eigenen Arbeit“, weiß Gerlinde Kruse aus eigener Erfahrung. Nach ihrer Elternzeit war die BTA für den Wiedereinstieg auf der Suche nach einer fachspezifischen Informationsstelle sowie einem berufsbezogenen Forum gewesen. „So bin ich 1995 zum VBTA gekommen“, erinnert sich Gerlinde Kruse. „ Damals war der VBTA, insbesondere Thomas Wittling als Verbandsvorsitzender, mir beim adäquaten Wiedereinstieg als Fachkraft behilflich.“

„Die Beschäftigungsquote für BTA hat sich in den letzten 12 Jahren stetig gesteigert und liegt mittlerweile mit ca. 30.000 Beschäftigten bei Vollbeschäftigung“, weiß Nicole Lindemann. „Das ist gerade für Berufs- und Wiedereinsteiger eine erfreuliche Entwicklung.“ Denn aufgrund der praxisbezogenen Ausbildung im biologischen Bereich sind BTA in der Grundlagenforschung wie auch in der medizinisch-diagnostischen, gen- und biotechnologischen sowie umweltanalytischen Anwendung und industriellen Produktion als Fachkräfte vielseitig einsetzbar. Die Beschäftigungsprognosen sind weiterhin günstig“, ergänzt Nicole Lindemann. „Hinzu kommt noch, dass etliche der für BTA relevanten Wirtschaftszweige wie Biopharmazie und Biotechnologie zu den wachsenden Sektoren gehören.“

Bereits seit 23 Jahren gehört die gelernte BTA und promovierte Biologin dem VBTA an. Nach etlichen Jahren in der zoologischen Grundlagenforschung ist Nicole Lindemann nun in der BTA-Ausbildung am Berufskolleg Hilden tätig. Somit hat sie die unterschiedlichen Perspektiven einer BTA während ihrer Ausbildung und Berufstätigkeit erlebt.

Gerlinde Kruse, BTA seit über 35 Jahren, arbeitet im Naturschutz in der Region Hannover. Aufgrund ihrer Tätigkeit im Stadtrat - insbesondere als Mitglied im Ausschuss für Bildung, Soziales und Jugend - hat sie zudem kommunal-politische Erfahrungen.

Dieses Knowhow ist dem neuen VBTA-Vorstand für das Angehen der nun anstehenden Verbandsauf-gaben von Nutzen. „Besonders die öffentliche Akzeptanz und Wertschätzung von BTA und deren Bedeutung in bio-medizinischen und –technologischen Forschungs- und Routine-Laboren sind uns ein Anliegen“, erläutert Gerlinde Kruse. „Das sollte sich auch in einer angemessenen Bezahlung wider-spiegeln, denn die Übergänge zwischen technischen und wissenschaftlichen Personal sind oft fließend.“

Diesbezüglich warten auf Beide große Herausforderungen. Im Zuge des wirtschaftlichen Zusammenwachsens der EU und der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge steht die adäquate und nachhaltige Positionierung des BTA-Berufes auf dem europäischen Bildungs- und Arbeitsmarkt ganz oben auf ihrer Agenda. Dafür ist eine transparente öffentliche Vergleichbarkeit von internationalen Kompetenzanforderungen auf der Arbeitgeberseite und Wissen und Können auf der Arbeitnehmer- und Ausbildungsseite erforderlich.

„In diesem Bereich hat gerade das Berufskolleg Hilden schon gute Vorarbeiten geleistet“, so Nicole Lindemann. „Da wäre zum Beispiel die internationale Einführung von Bewertungsstandards für den Kompetenzerwerb bei Auslandspraktika mittels ECVET* zu nennen.“ Praktischerweise hat die VBTA-Vorsitzende Lindemann im Lehrerzimmer ihren Schreibtisch neben dem des Vorsitzenden des Arbeitskreises Biologisch-technische Ausbildung im VBIO (AK-BTA) und Abteilungsleiter Biowissenschaften des Kollegs, PD Dr. Hartmut Böhm. „Einen kürzeren Draht insbesondere für Innovationskreisläufe zwischen Ausbildung und Beruf gibt es nicht!“

Bereits in der Vergangenheit arbeiteten der AK-BTA und der VBTA eng zusammen, wie die Vorbereitung des Prüfungsverfahrens der Lehrinhalte und Lernniveaus in der BTA-Ausbildung, bei Ausbildungsberufe als Validierung bezeichnetes Verfahren. In diesem Verfahren hatte eine unabhängige Kommission das Ausbildungsniveau mit dem der biologischen Bachelorstudiengänge abgeglichen, so dass Hochschulen diese in Form von in der EU eingeführten ETCS-Punkten anerkennen können. „Dieses Verfahren haben von den rund 40 deutschen BTA-Fachschulen bereits fünf erfolgreich durchlaufen, weitere folgen“, erläutert Hartmut Böhm. Eine öffentliche Wertschätzung ist z.B. der vom AK-BTA, VBTA und der Biotech-Branche jährlich ausgeschriebene Miltenyi Biotec-Preis, der die beste Praktikumsarbeit von BTA-Auszubildenden aus NRW auszeichnet.

Ein weiteres gemeinsames Anliegen ist die Qualitätssicherung im BTA-Bereich. Auf der jährlich statt-findenden Fachdidaktiktagung hat der AK-BTA mit Unterstützung des VBTA eine nationale Berufs-rahmenqualifikation (BQR) für BTA etabliert und sichert so einheitliche Ausbildungsmindeststandards in Deutschland. Der BQR ist auf die biotechnologischen Industrieanforderungen ausgerichtet und entspricht zudem allen Kriterien des europäischen Qualifikationsrahmens. „Das ist eine Basis, auf der wir gut aufbauen können“, so der neue VBTA-Vorstand.

Auch im europäischen Ausland besteht Interesse für den deutschen BQR. Für Frau Prof. Andreja Ramsack aus Slowenien, die deutsche BTA-Fachschulen dieses Frühjahr besuchte, ist er maßgebend. Denn die Biologieprofessorin plant insbesondere nach Hildener Vorbild, einen BTA-Ausbildungsgang in ihrem Land aufzubauen.

Für die Bewältigung der nun anstehenden Aufgaben ist ein gut funktionierendes Netzwerk besonders aus vielen aktiven VBTA-Mitgliedern und starken Partnern wichtig. Daher intensiviert der VBTA seine Aktivitäten in Deutschland mit den anderen naturwissenschaftlichen Verbänden und Organisationen sowie mit dem „Bündnis zur Stärkung der technischen Assistentenberufe (TA) in Naturwissenschaft und Medizin“. „Damit die Weichen der BTA als Fachkraft für Deutschland und Europa weiterhin auf Grün gestellt bleiben“, so Nicole Lindemann und Gerlinde Kruse. „Dafür ist viel zu tun. Packen wir’s gemeinsam an!“

 

*European Credit System for Vocational Education and Training
Das ECVET-System ist ein innovatives Leistungsbewertungssystem der EU für die berufliche Aus- und Weiterbildung. Das System soll eine einheitliche Dokumentation und Einstufung von Lernergebnissen sowie eine Vergleichbarkeit der verschiedenen Berufsbildungs- und Qualifikationssysteme in Europa ermöglichen.

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