Nachrichten aus dem VBTA

„Nachwachsende Rohstoffe“ – über die Zukunft der BTA-Ausbildung

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Vertreter von BTA-Berufsfachschulen aus dem ganzen Bundesgebiet trafen sich am 26./27. September 2013 in Straubing um sich über die Zukunft der vollschulischen BTA-Ausbildung in Deutschland auszutauschen. „In Zeiten knapper Kassen versuchen immer mehr Länder die Ausbildung in die Unternehmen der Biotechnologie zu verlagern,“ so der Vorsitzende des Arbeitskreises BTA des VBio, Dr. Hartmut Böhm. „Dies können jedoch weder die Unternehmen der freien Wirtschaft noch die forschenden Einrichtungen bewältigen, da sie die breite Basis an Methoden der modernen Biotechnologie nicht abdecken können.“ Das BTAs auch in Zukunft gebraucht werden, zeigen die aktuellen Statistiken der Agentur für Arbeit, die Frau Dr. Nicole Lindemann, die Vorsitzende des Verbandes der biologisch-technischen Assistenten (VBTA e. V.) den Teilnehmern der Tagung vorstellte. „Die Arbeitslosenquote bei den technischen Assistenten ist nach wie vor so niedrig, dass von einer Vollbeschäftigung ausgegangen werden kann,“ berichtet Frau Lindemann. „Der Bedarf an gut ausgebildeten BTA ist vor allem in den Biotechnologiezentren z. B. im Rhein-Main-Gebiet und rund um München so hoch, dass die Auszubildenden häufig noch vor ihrem Abschluss ihren ersten Anstellungsvertrag unterschreiben.“ Wie die Statistiken zeigen, ist der Beruf nach wie vor für Frauen attraktiv, die einen naturwissenschaftlichen Beruf und Familie vereinbaren wollen. Die Attraktivität der Ausbildung zeigt sich auch in der zunehmende Anzahl an Studienabbrechern, die in den Schulen einen Weg finden, ihre naturwissenschaftlichen Interessen in einer praxisorientierten Ausbildung zu verwirklichen.

Der Wert des hohen Praxisanteils in der Ausbildung wurde auch auf der in Straubing stattfindenden Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft des Berufsbild BTA“ deutlich. Zwei Impulsreferate boten dazu den passenden Auftakt. Zunächst durch einen Beitrag von Herrn Dr. Stephan Gantner vom Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) aus Kiel. Herr Dr. Gantner stellte dazu das neue, gerade angelaufene Projekt ManKobE (Mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenz in der beruflichen Erstausbildung) vor. ManKobE fokussiert dabei sowohl auf die schulisch erworbenen Kompetenzen von Auszubildenden im Übergang von der Schule in die berufliche Ausbildung als auch über den Kompetenzerwerb während der Ausbildung. Untersucht werden neben Berufsgruppen der Industriemechaniker, -elektroniker und kaufmännische Angestellte, auch Assistenzberufe in der Chemie und Biologie. Herrn Gantner hob dabei die Kompetenztestung für BTA und Biologielaboranten besonders hervor. Im nachfolgenden Impulsreferat stellte Frau Dr. Ute Dechert das Biotechnologieunternehmen BRAIN AG in Zwingenberg vor, das sich mit der Forschung und Entwicklung von biotechnologischen und pharmazeutischen Produkten beschäftigt. Sie ist Human Resource Managerin des Unternehmens BRAIN und bot gute Einblicke in die Unternehmensstruktur, Ziele und Mitarbeiterebenen, insbesondere der Verwendung von BTA in ihrem Unternehmen. Anschließend stellten sich in einer von Herrn Rummrich (Rheinische Akademie Köln) moderierten Podiumsdiskussion Frau Dr. Lindemann (als Vertreterin des VBTA), Frau Dr. Dechert (als Vertreterin der Arbeitgeberseite) und Herr Dr. Gantner (als Vertreter aus der Grundlagenforschung des Lehrens und Lernens) einer lebhaften Diskussion mit den Teilnehmern aus den Berufsfachschulen. Schnell war man sich einig, dass der Kern der Ausbildung weiterhin auf einer praxisnahen Lehre in den vielfältigen biologischen Methoden fokussiert bleiben sollte. „Vertiefende Spezialkenntnisse erwerben die BTA spätestens in den anstellenden Betrieben“ so Frau Dechert. „Für uns Arbeitgeber sind erst einmal die fundierten Kenntnisse in den naturwissenschaftlichen Grundlagen wichtig.“ Herr Gantner ergänzte: „Die unterschiedlichen Benennungen der Spezialisierungen in den Berufsbezeichnungen der BTA verwischen das Bild der in der Ausbildung angestrebten naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Eine mehr einheitliche Regelung würde neben einer besseren Vergleichbarkeit auch Klarheit für spätere Arbeitgeber schaffen.“

Das Straubing als Kompetenzzentrum „Nachwachsender Rohstoffe“ ein geeigneter Ort für die Tagung der BTA-Schulen sei, unterstrich auch der Oberbürgermeister der Stadt Straubing, Herr Pannermayr, der die rund 40 Vertreter der BTA-Schulen im historischen Rathaussaal begrüßte. In einer Zeit schwindender Ressourcen ist die Fokussierung der Forschung auf nachwachsende Rohstoffe und deren Nutzung als Energieträger und als Werk- und Wirkstoffe von immenser Bedeutung. Dafür würde die BTA-Ausbildung die notwendigen qualifizierten Fachkräfte liefern. Er mahnte, dass die sogenannten MINT-Fächer in der deutschen Bildungslandschaft rückläufig sind und dies für die Wirtschaft Deutschlands negative Auswirkungen habe. Die Besichtigung der Ausstellung des Kompetenzzentrums „Nachwachsende Rohstoffe – von der Pflanze zur Nutzung“ sowie des Industriegebietes Straubing-Sand mit der Pilotanlage der Firma Clariant zur Produktion von Bio-Ethanol der 2. Generation sowie die begleitenden Vorträge verdeutlichten den Tagungsteilnehmern den Stellenwert von nachwachsenden Rohstoffen für die Zukunft Deutschlands und der Welt.

In Straubing wurde deutlich, dass an den BTA-Berufsfachschulen im gesamten Bundesgebiet mit viel Engagement die „nachwachsenden Rohstoffe“ - die qualifizierten biologischen Fachkräfte – für Wirtschaft und Forschung herangezogen werden, die den Forschungsstandort Deutschland sichern.

Ein großes Lob geht an den Organisator der Tagung, Prof. Dr. Robert Huber, der zusammen mit seinem Team unter Mithilfe von BTA-Auszubildenden für das reichhaltige Tagungsprogramm und eine hervorragende Betreuung der Tagungsteilnehmer sorgte.

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